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Ruhestätte für Herzenskinder besteht seit 20 Jahren

Hede Metz auf dem Grabfeld der Herzenskinder. Foto: Frieder Metz

Auf dem Ludwigshafener Hauptfriedhof liegt seit 2006 das Grabfeld der Herzenskinder, eine gemeinsame Ruhestätte für totgeborene Kinder, die keine eigene Beerdigung erhalten. In diesem Jahr besteht die Anlage 20 Jahre. Aus der Initiative einer Stadträtin ist ein fester Bestandteil der Trauerkultur in der Region geworden, wie das katholische Stadtdekanat Ludwigshafen berichtet. 

Bis Anfang der 2000er Jahre entsorgten Kliniken in der Rhein-Neckar-Region totgeborene Kinder unter 500 Gramm mit dem Klinikabfall. Familien hatten keinen Ort, um zu trauern. Die SPD-Stadträtin Helga Koch wollte das ändern. Sie sammelte Spenden, gewann Unterstützer aus Bürgerschaft und Wirtschaft und trieb das Projekt über Jahre voran. Von Anfang an beteiligt war Helga Beisel aus Zeiskam, Gründerin der Selbsthilfegruppe "Leere Wiege".

Ein Platz der Trauer

Am 17. August 2006 weihte die Stadt die "Ruhestätte der totgeborenen Kinder" auf dem Hauptfriedhof ein. Koch sagte damals: "Glücklich bin ich, dass Eltern einen Platz haben, wo sie dem Kind, das sie nicht haben durften, nahe sein und um es trauern können."

Zweimal im Jahr, jeweils am zweiten Mittwoch im Mai und im November, findet um 14 Uhr in der Trauerhalle des Hauptfriedhofs eine ökumenische Trauerfeier mit anschließender Beisetzung statt. Die Feier wird von der protestantischen und katholischen Kirche gestaltet. Für die Eltern ist die Bestattung kostenlos.

Liebevoll gestaltete Feier

Der Sarg steht geschmückt mit Herzchen und Bärchen in der Trauerhalle. Angehörige tragen den Namen ihres Kindes in ein Buch ein, während der Feier werden die Namen verlesen. Jede Familie erhält eine Kerze, die an der Osterkerze entzündet wurde. Manche stellen sie später am Grab ab. Eine Vertreterin des Islam liest eine Sure und spricht ein Gebet. "Die Zahl der Kinder schwankt: Im Mai waren es circa 60, an manchen Terminen kommen fast hundert zusammen", berichtet Hede Metz. Sie gestaltet die Feier seit vielen Jahren mit und organisiert sie aktuell zusammen mit Pastoralreferent Manfred Heitz. "Seit 2025 besteht ein runder Tisch, zu dem das Friedhofsamt alle Verantwortlichen der Trauerfeier einlädt", sagt Hede Metz.

Der Einsatz der 2025 verstorbenen Helga Koch wirkte weit über Ludwigshafen hinaus: 2014 trug sie zur Änderung des rheinland-pfälzischen Bestattungsgesetzes bei. Seither sind in der Rhein-Neckar-Region fast hundert ähnliche Gemeinschaftsruhestätten entstanden.

Änderungen durch neues Bestattungsgesetz

Für das Ludwigshafener Grabfeld bringt das neue Bestattungsgesetz von 2025 eine wichtige Änderung: Seit Anfang 2026 werden auch abgetriebene Kinder beigesetzt, zuvor wurden sie verbrannt. Medizinische Einrichtungen müssen sie nun würdig bestatten lassen, ihre Urne kommt in den Gemeinschaftssarg.

Das Grabfeld der Herzenskinder war nie als Übergangslösung gedacht. Zwei Jahrzehnte später tragen es viele Menschen mit: Eltern, die dort ihr Kind wissen, Ehrenamtliche, die die Trauerfeiern gestalten, und Spender, die das Projekt von Beginn an ermöglicht haben. Einen Ort für Trauer zu schaffen, wo keiner war, das war die Idee von 2006. Sie gilt bis heute. red

Info 

Informationen und Spenden: www.leere-wiege.com
Trauerfeier und Beisetzung der Herzeskinder: jeden zweiten Mittwoch im Mai und November, 14 Uhr
Trauerhalle Hauptfriedhof, Eingang Bliesstraße 10, Ludwigshafen-Friesenheim 

nächster Termin: 11. November 2026